Wenn es im letzten Jahr einen großen Trend gab, dann war’s wohl #Vanlife. Dabei ist das Campen schon seit Jahrzehnten eine beliebte Art zu reisen. Durch die Pandemie und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten (okay, und Instagram) erlebt das Reisen im Bus aber gerade einen erneuten Hype. Wir haben uns deshalb mit einigen Van-Verkäufern auf willhaben unterhalten und ihnen spannende Geschichten über ihr Zuhause auf vier Rädern und den damit verbundenen Abenteuern entlockt. 

“Wir haben mal mit einem grandiosen Ausblick über die Côte d’Azur gefrühstückt. Das war echt kitschig!”

Ein Van-Verkäufer mit dem wir sprechen, erzählt uns über seine Reisen in Europa und seinen besten Van-Moment.

Wo warst du mit deinem Van denn bisher auf Reisen?

Wir sind 2020 im Jänner auf Weltreise gegangen, mussten dann Corona-bedingt aber im April wieder retour und unser Plan war dann, den Kastenwagen zum Camper auszubauen um damit Europa zu bereisen. Den ganzen Sommer, also von Mai bis Oktober habe ich ihn dann mit Hilfe von Freunden und Profis ausgebaut.

Wir wollten den Winter in Portugal oder Spanien verbringen oder rüber nach Teneriffa zum Surfen fahren.

Im Oktober sind wir dann Richtung Südtirol aufgebrochen, dann nach Italien an den Gardasee, dann zu Freunden an den Comer See, dann wieder zu Freunden nach Monaco und dann kam die Info, dass Frankreich und Spanien die Grenzen wieder dicht machen. Also sind wir wieder zurück nach Italien und über Pisa wieder heim. Davor haben wir einige kleine Touren in Österreich gemacht, zum Beispiel ins Burgenland und die steirische Weinstraße entlang. In Hallstatt haben wir auch Halt gemacht.

Wo hat es euch – von den ganzen Orten, die ihr bereist habt – am besten gefallen und wieso?

Puh, eine schwere Frage, die uns natürlich oft gestellt wird und die auch eigentlich nicht wirklich zu beantworten ist. Den schönsten Moment, den wir erlebt haben, kann ich allerdings nennen. Ich würde sagen, es war die Aussicht über die Côte d’Azur vom Tête de Chien Berg hinunter. Dort oben kann man gratis mit dem Wohnmobil parken und das Abendessen und Frühstück mit dem grandiosen Ausblick aus dem Bus raus genießen. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben, das war echt kitschig.

Sag, wieso verkaufst du deinen Van jetzt wieder?

Unser Plan war es, Vollzeit darin zu leben und Europa in den nächsten Jahren zu bereisen. Wir haben uns aber nun über den Winter dazu entschieden, dass wir lieber auswandern wollen und verkaufen momentan gerade alles. Das Auto ist jetzt so ziemlich das letzte, was noch übrig ist.

“Mitten im nirgendwo zu stehen und zu wissen, dass um einen herum weit und breit gerade mal eine handvoll Menschen ist, war schon sehr speziell.”

Der nächste Van-Besitzer, mit dem wir Kontakt hatten, hat tatsächlich ein halbes Jahr in seinem Van gelebt und Spanien, Portugal und Marokko damit bereist. 

Welches der Länder, in denen du mit deinem Van unterwegs warst, hat dir denn am besten gefallen?

Wenn ihr mich festnageln würdet, müsste ich Portugal sagen – irgendwas an der Art der Menschen und der gesamten Volkskultur resoniert sehr mit mir.

Sag, was macht das Reisen mit dem Bus denn für dich aus? Wieso hast du dich dafür entschieden?

Die Flexibilität ist da jetzt so ein bisschen die Standardantwort, aber es trifft halt auch zu. Aber auch nur, wenn ich mir genug Zeit nehme. Wenn ich zwei Wochen campen fahre und schon von vornherein genau weiß “Ich bin 3 Tage dort und dann 4 Tage da und dann noch 2 da“, dann bin ich auch nicht sonderlich flexibel. Wenn man zwei Monate wegfährt, bringt das echt viel Entspannung. Wenn man das noch verbindet mit einem Land, in dem man frei stehen kann, dann fühlt sich das schon sehr nach Freiheit an.

Hattest du mal ein spezielles Erlebnis oder einen Moment mit deinem Bus, an den du besonders gerne zurückdenkst?

Ich hab einen meiner jetzt engsten Freunde auf der Reise kennengelernt, weil wir (fast) das gleiche Auto haben, einen alten Mercedes T1. Ansonsten war es ein sehr cooles Gefühl tatsächlich mit so einem alten Auto bis auf einen anderen Kontinent zu fahren. In Marokko bewegt der T1 übrigens alles, da gibt’s das Auto tausendfach. Und eine ganz besondere Nacht in der Wüste fällt mir noch ein:

Wir haben uns einfach einen Platz auf der Karte rausgesucht, der möglichst weit weg von allem anderen war und sind dann in der Steinwüste geendet.

Mitten im nirgendwo zu stehen und zu wissen, dass um einen herum weit und breit gerade mal eine handvoll Menschen ist, war schon sehr speziell.

Wieso verkaufst du deinen Van denn jetzt?

Wir haben ein neues Projekt. Wir haben uns nämlich wieder einen Mercedes-Bus geholt, eine alte Militärambulanz aus Holland. Den bauen wir jetzt selbst aus.

“Für den allerersten Umbau ist mir das gar nicht schlecht gelungen.”

Der nächste Van-Liebhaber, mit dem wir geschrieben haben, hat sich einen alten Rettungswagen ausgebaut und ist damit in den Bergen unterwegs gewesen.

Was hat dich denn ursprünglich dazu gebracht, dir einen Camper zu kaufen?

Zu meinem Camper bin ich durch einen guten Freund von mir gekommen. Der hat sich mit meiner Hilfe auch selber seinen VW Bus umgebaut. Da ich gelernter KFZ-Techniker bin, habe ich bei seiner ganzen Elektrik geholfen (angefangen bei der Standheizung bis zu einer Alexa-Sprachsteuerung).

Irgendwie hat mich dann auch die Lust gepackt, selbst so einen Camper/VW Bus auszubauen.

Als Basis diente mir ein ausrangierter Rettungsbus, den ich Stück für Stück über den Winter nach meinen Bedürfnissen umgebaut habe. Genügend Ideen hatte ich ja von Freunden bzw. aus dem Internet. Für den allerersten Umbau ist mir das gar nicht schlecht gelungen.

Was war die coolste Reise, die du damit je gemacht hast?

Richtige Reisen habe ich leider zeitlich bedingt nicht unternehmen können, da ich derzeit meinen Grundwehrdienst ableisten muss. Kleinere Ausflüge habe ich aber erleben dürfen. Zum Schifahren war mir der Bus mit seinem Allradantrieb immer ein toller Begleiter. Absolut chillig war es dann einfach die Standheizung einzuschalten und sich einen kurzen Powernap zu gönnen.

Was findest du macht das Reisen mit dem Camper so besonders?

Das Coole an so einem Bus ist das Design bzw. die individuellen Umbauten, da sind keine Grenzen gesetzt. Außerdem find ich das Spontane an so einem Bus einfach toll. Man kann einfach auf jedem Parkplatz stehen und sticht nicht so aus der Menge heraus wie mit einem richtigen Wohnmobil.

Wieso verkaufst du deinen Van denn jetzt wieder?

Der Grund, warum ich meinen Van verkaufe, ist halt momentan der Grundwehrdienst. Ich will ihn halt einfach nicht ungenutzt daheim stehen haben. Da soll sich lieber jemand anderer daran erfreuen.

“Wir hatten keinen Plan, wo und wann wir stehen konnten und sind einfach mal losgefahren, ohne ein richtiges Ziel zu haben.”

Ein weiterer Vanlifer, der mit uns ein bisschen gequatscht hat, erzählt uns davon, wie man an die coolsten Stellplätze kommt.

Was hat dich ursprünglich dazu gebracht, dir einen Camper zu kaufen?

Wir wollten schon immer einen Camper haben, aber das nötige Kleingeld hat immer gefehlt und wir wollten keine € 50.000,- für einen fertigen Camper ausgeben. Daher habe ich meine Frau überreden können, einen selber umzubauen.Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit hatte ich uns einen VW T5 gebraucht organisieren können. Dieser wurde dann von uns nach unseren Wünschen umgebaut. Das war zeitgleich mit dem ersten Lockdown in Österreich und ich hatte genügend Zeit dafür. 

Was war die coolste Reise, die ihr damit je gemacht habt?

Die „coolste Reise“ war sicher die erste, die wir gemacht haben, einfach weil alles so neu war für uns als unerfahrene Camper. Wir hatten keinen Plan, wo und wann wir stehen konnten und sind einfach mal losgefahren, ohne ein richtiges Ziel zu haben.

Wo wart ihr denn da genau?

Den ersten Roadtrip haben wir von Salzburg nach Krems gemacht. Da haben wir bei einem Winzer im Obstgarten übernachtet, ganz alleine auf einem kleinen Hügel mit freier Sicht auf die Obstgärten. Das war schon sehr fein.

Wir haben dann sozusagen eine kleine Wachau Rundfahrt gemacht mit Stellplätzen bei Winzern oder Bauern in der Umgebung.

Wenn man nämlich freundlich fragt und eventuell etwas konsumiert oder kauft, dann sagen die meisten „Ja“ zur Übernachtung.

Was findest du macht das Reisen mit dem Camper so besonders?

Das Besondere ist sicher, dass man sich freier fühlt und ungebundener. Man muss sich nicht schick anziehn zum Essen, keine Hotelvorschriften beachten und man ist flexibel mit seinem Standort und kann jederzeit weiterziehen, wenn es einem doch nicht so gut gefällt!

Warum verkauft ihr euren Bus denn jetzt wieder?

Der Bus wird nur verkauft, weil meine Frau wieder schwanger ist und der Bus für vier Personen nicht geht! Bis jetzt, also zu dritt, hat es ja super gepasst, aber das nächste Projekt ist schon in Planung. Diesmal aber ein Vier- oder Fünfsitzer.

“Wir sind mit unseren vier Kindern in einem VW T5 nach Schweden gereist.” Florian

Der nächste Van-Besitzer, mit dem wir in Kontakt waren, erzählt uns von seiner Beziehung und wieso er deshalb jetzt einen neuen Van umbaut und seinen jetzigen verkauft.

Du sagst in der Beschreibung, dass alles neu und unbenutzt ist. Hast du den Camper also selbst nie fürs Reisen verwendet?

Ich hatte davor ein paar Vans, die ich ausgebaut habe und mit denen ich gereist bin. Diesen Van habe ich mir gekauft, weil meine Freundin mich verlassen hat und ich keine Wohnung wollte, sondern lieber in einem Van leben wollte.

Jetzt ist der Bus fertig und plötzlich hatte ich meine Freundin wieder.

Doch mit unseren Kindern ist er jetzt zu klein. Deswegen verkaufe ich ihn jetzt und baue uns einen Größeren jetzt aus.

Wo warst du denn mit den anderen Vans, in denen du gereist bist unterwegs und was war deine coolste Reise?

Meine coolste Reise war vor zwei Jahren, als wir mit unseren vier Kindern in einem VW T5 einen Monat in Schweden waren.

Was findest du macht das Reisen mit dem Camper denn so besonders?

Die Nähe zur Natur. Die Möglichkeit stehen zu bleiben, wo es schön und einsam ist. Einfach frei sein.

Gabs auf einer deiner Reisen mal einen Moment oder ein Ereignis, an das du besonders gerne zurückdenkst?

Ja, das war in Schweden. Als wir am letzten Tag unserer Reise ein tolles und so nettes Ehepaar kennenlernten. Wir verstanden uns auf Anhieb super und auch die Gespräche waren für uns so inspirierend. Da fiel der Abschied sehr schwer. Es war, als würden wir uns schon ewig kennen.

Bei diesen Geschichten wundert es uns nicht, dass das Campen wieder so beliebt ist. Wie reist du eigentlich am liebsten? Vielleicht auch sogar im Campingbus? Oder doch lieber ganz anders? Busse wie diese stehen auf willhaben übrigens immer wieder zum Verkauf. Wer weiß, vielleicht wirst auch du bald in die Fußstapfen der Vorbesitzer treten und mit deinem ganz eigenen Van die Welt bereisen.